Technik neue Rauchgasreinigung

Technik neue Rauchgasreinigung

Im Müllkraftwerk sind vier Ofenlinien zur thermischen Verwertung von Abfällen aus dem Zweckverband installiert. Die entstehenden Rauchgase werden über mehrere hintereinander geschaltete Rauchgasreinigungsstufen geleitet, bevor sie als Reingas über die Schornsteine in die Umwelt abgegeben werden.

Aufgrund der langen Betriebszeit der Ofenlinien ist zur Aufrechterhaltung eines ordnungsgemäßen Anlagenbetriebes ein zunehmend erhöhter Instandhaltungsaufwand erforderlich, womit längere Anlagenstillstandzeiten verbunden sind.

Die Verfügbarkeit der Ofen- bzw. RGR-Linien wird 2021 im Wesentlichen durch die Verschmutzung in der ersten Rauchgasreinigungsstufe (im RGR-CDAS-Reaktor) beschränkt. Jede Ofenlinie muss zwischen den 6- wöchigen Jahresrevisionen jeweils nach 28 Wochen für 2 bis 3 Wochen für die Reinigung insbesondere des CDAS-Reaktors außer Betrieb genommen werden. Daher sollen, zunächst für die Ofenlinie 4, die zwei CDAS-Reaktoren durch einen Verdampfungskühler mit nachgeschalteter Reaktionsstrecke ersetzt werden. Damit verbunden sind auch Anpassungen der angeschlossenen Nebeneinrichtungen.

So funktioniert die alte Rauchgasreinigung

Der entstehende Rauchgasvolumenstrom für die Ofenlinie 4 wird gleichermaßen aufgeteilt in die zwei bestehenden CDAS-Reaktoren (erste Rauchgasreinigungsstufe).

Am oberen und unteren Korpus des CDAS-Reaktors sind Düsen installiert. Über die unteren Düsen wird Brauchwasser eingebracht, um das Rauchgas zu kühlen und zu befeuchten. Die oberen Düsen sind in zwei Ebenen eingeteilt, zunächst wird Frischkalk (ein Kalk-Aktivkohlegemisch), dann der Rezirkulationskalk (Rezikalk) und anschließend wieder das Frischkalk in die erste Rauchgasreinigungsstufe
eingebracht.

So wird das aus dem Kessel austretende Rauchgas von sauren Schadstoffkomponenten sowie über die Aktivkohle von Schwermetallen gereinigt.

Die späteren Reinigungsstufen Entstaubung, Gewebefilter, Entstickung und Dioxinabscheidung sind nicht von den geplanten Änderungen betroffen.

Verdampfungskühler ersetzt CDAS-Reaktoren

Zukünftig soll das Rauchgas aus der Ofenlinie 4 (Temp. ca. 220°C) in den Verdampfungskühler (VDK) geleitet werden und damit die beiden CDAS-Reaktoren ersetzen. Das Rauchgas wird dabei auf eine Temperatur von 135 °C abgekühlt. Dies ist das optimale Temperaturniveau für die Reaktion zur Abscheidung der sauren Komponenten im Rauchgas.

Nach Verlassen des Verdampfungskühlers durchströmt das Rauchgas die Reaktionsstrecke. Am Eintritt der Reaktionsstrecke wird ein geeignetes Adsorbens in den Rauchgasstrom eingeblasen. Zur Verbesserung der Schwermetallabscheidung ist bei Lastspitzen eine zusätzliche Eindüsung von dotierter Aktivkohle vorgesehen.

Im Rauchgasstrom reagieren die Schadgase mit den Additiven auf ihrem Weg durch den Reaktor zum Gewebefilter. Hinter der Umlenkung werden rückgeführte, teils noch nicht reagierte Reststoffe aus dem Gewebefilter (Rezirkulat) erneut in den Rauchgasstrom gefördert.

Die beantragte Erneuerung der ersten Rauchgasreinigungsstufe endet mit der Anbindung des Rauchgaskanals am Gewebefilter.

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Johann Kraus, Kraftwerksmeister Zweckverband Mullverwertung Schwandorf (ZMS), erklärt, warum das hohe Alter der Rauchgasreinigung zu immer mehr Stillstandszeiten führt und wie die neue Rauchgasreinigung Erdgas einspart, die Arbeitsbedingungen der Metarbeiterinnen und Mitarbeiter verbessert und Umwelt und Klima schont.

Emissionen weit unter den Grenzwerten

Für die neue Rauchgasreinigung gelten verschärfte Anforderungen und Emissionsgrenzwerte der EU

Auch die heutige Rauchgasreinigung sorgt dafür, dass die Emissionswerte der Müllverwertung Schwandorf weit unter den gesetzlich prinzipiell zugelassenen Werten liegen.

Die Anlage emittiert im Jahresschnitt beispielsweise nur ein 15-tel der Schwefeldioxidkonzentrationen (SO2 je Normkubikmeter) die nach der für Müllverbrennungsanlagne maßgeblichen 17. Bundesimmissionsschutzverordnung (17. BImSchV). Für Staub liegt dieser Wert bei einem 50-stel, für Kohlenmonoxid bei einem 5-tel.

Dioxine und Furane, die in den 1980er Jahren die Kritik an der Müllverbrennung befeuert haben, liegen im Reingas am Ende der Schornsteine unterhalb der Nachweisgrenze.

Sämtliche Emissionswerte der Müllverwertung Schwandorf werden laufend vom ZMS auf einer eigenen Website veröffentlicht.

Nach der Rauchgasreinigung folgt…

… der Austausch der Ofenlinien 1 bis 3 durch zwei neue und moderne Kessel. Die Vorplanungen laufen, aber die konkrete Umsetzung wird erst etwa 2025 beginnen. Hier kann es auch noch laufend zu zeitlichen Verschiebungen kommen. Nach dem heutigen Planungsstand können die neuen Linien frühestens 2029 in Betrieb gehen.

Grundriss des Müllkraftwerks Schwandorf. Gelb markiert: Rauchgasreinigung der Ofenlinie 4 nach dem Umbau

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